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Der Einfluss des mobilen Internets auf Schülerinnen und Schüler

Ronak Jain, Assistenzprofessorin für Ökonomie der Kinderwohlfahrt und Entwicklung mit Unterstützung von UNICEF Schweiz an unserem Departement, hielt ihre Antrittsvorlesung mit dem Titel „The Impact of Mobile Internet on Students“.

In ihrer Antrittsvorlesung präsentierte Ronak Jain, die 2024 als Assistenzprofessorin für Entwicklungsökonomie und Kinderwohlfahrt mit Unterstützung von UNICEF Schweiz an das Departement für Volkswirtschaftslehre berufen wurde, ihre Forschung im Bereich der Verhaltens- und Entwicklungsökonomie. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf vulnerablen Bevölkerungsgruppen wie Kindern, Jugendlichen sowie Beschäftigten im informellen Sektor.

Zunächst untersuchte Jain die Rolle prosozialer Präferenzen in Marktdynamiken. Ihre Forschung in Delhi zeigt, dass wirtschaftliche Transaktionen nicht rein unpersönlich sind: Käuferinnen und Käufer erwerben identische Güter doppelt so häufig von kindlichen Verkäuferinnen und Verkäufern wie von erwachsenen. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass soziale und emotionale Präferenzen das Marktverhalten wesentlich prägen und eine zentrale Rolle dabei spielen können, wirtschaftlich schwächeren Akteuren das Überleben in wettbewerbsintensiven Umfeldern zu ermöglichen.

Zweitens stellte Jain kosteneffiziente Interventionen zur Verbesserung der schulischen Leistungen vor. Studien aus Pakistan und Kenia zeigen die bemerkenswerte Wirksamkeit einfacher verhaltensökonomischer Massnahmen in ressourcenarmen Bildungssystemen. Personalisierte Nachrichten von Lehrpersonen, die hohe Erwartungen kommunizieren, führten zu deutlich besseren Leistungen in Mathematik. Ebenso steigerten Anreize auf Klassenebene nicht nur die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in mehreren Fächern, sondern auch die Motivation und Anwesenheit der Lehrpersonen.

Globale Evidenz zu den schädlichen Auswirkungen des mobilen Internets

Der dritte und zentrale Schwerpunkt der Vorlesung lag auf den kausalen Effekten des mobilen Internets auf Jugendliche. In ihrem Hauptprojekt, das sie gemeinsam mit Samuel Stemper durchführt, untersucht Jain die globalen Auswirkungen des Zugangs zu mobilem Hochgeschwindigkeitsinternet (3G) auf Jugendliche weltweit. Die Nutzung des mobilen Internets unter Jugendlichen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten explosionsartig angestiegen (heute ist weltweit jede dritte Internetnutzerin bzw. jeder dritte Internetnutzer ein Kind). Dies hat eine intensive Debatte über mögliche Schäden ausgelöst sowie Forderungen nach Smartphone-Verboten an Schulen, wie sie etwa von der UNESCO vorgeschlagen wurden. Belastbare kausale Evidenz zu Auswirkungen ausserhalb des schulischen Kontexts war bislang jedoch rar.

Anhand von Daten von über 2,5 Millionen 15-jährigen Schülerinnen und Schülern aus 82 Ländern zeigt die Studie klare negative Folgen. Die Einführung von 3G führte zu einer nahezu flächendeckenden Smartphone-Nutzung unter Schülerinnen und Schülern, wobei die wöchentliche Online-Zeit um weitere fünf Stunden auf rund 35 Stunden anstieg – das entspricht in etwa einer Vollzeitbeschäftigung. Bemerkenswert ist, dass 80 % dieses Anstiegs ausserhalb der Schulzeit stattfanden.

Auf akademischer Ebene führte die Einführung von 3G zu einem signifikanten Rückgang der Testergebnisse in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen, was einem Lernverlust von etwa drei Monaten entspricht. Diese negativen Effekte waren überproportional stark bei benachteiligten Gruppen wie Mädchen, Schülerinnen und Schülern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie bei Jugendlichen, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Dadurch wurden bestehende Bildungsungleichheiten weiter verschärft.

Auch im sozialen Bereich zeigten sich negative Entwicklungen: Die Nutzung sozialer Medien stieg um 17 Prozentpunkte, ohne dass sich soziale Bindungen verbesserten. Stattdessen nahm das Zugehörigkeitsgefühl der Schülerinnen und Schüler zur Schule deutlich ab, und sie berichteten von grösseren Schwierigkeiten beim Knüpfen von Freundschaften.

Jain schliesst, dass mobiles Internet zwar ein mächtiges Instrument ist, seine unkontrollierte Nutzung jedoch nachweislich negative Auswirkungen auf Lernen und Wohlbefinden hat. Die Verantwortung für den Umgang mit diesen Risiken ist geteilt: Familien müssen gesunde Bildschirmgewohnheiten aktiv fördern und klare Regeln zur Bildschirmzeit setzen, da der Grossteil der Nutzung zu Hause stattfindet. Gleichzeitig sollten Schulen mehr Offline-Möglichkeiten für soziale Interaktion bieten sowie digitale Kompetenzen und Fähigkeiten zur Selbstregulation frühzeitig vermitteln.

Ausblickend wird sich Jains nächste grosse Forschungsagenda mit den Auswirkungen künstlicher Intelligenz (KI) auf die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen befassen.

Die vollständige Antrittsvorlesung können Sie hier ansehen.

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