Fünf Fragen für Carmen Villa
Carmen ist am 1. September dem Department als Assistenzprofessorin für Ökonomie der Kinder- und Jugendentwicklung beigetreten.
Carmen ist am 1. September dem Department als Assistenzprofessorin für Ökonomie der Kinder- und Jugendentwicklung beigetreten. Sie ist ebenfalls mit dem Jacobs Center for Productive Youth Development affiliiert.
Woran arbeiten Sie derzeit?
Ich untersuche die Auswirkungen öffentlicher Massnahmen auf die Entwicklung von Jugendlichen. Meine Forschung konzentriert sich auf die Adoleszenz und analysiert, wie verschiedene öffentliche Interventionen Bildungsergebnisse, riskante Verhaltensweisen sowie psychische Gesundheit und Wohlbefinden kausal beeinflussen. Ein Teil meiner Arbeit befasst sich mit der Rolle öffentlicher Freizeitprogramme, der Alkohol- und Drogenregulierungen, der Wohnungspolitik und finanziellen Transferprogrammen.
Was ist das wichtigste Ergebnis dieser Arbeit?
Eine meiner zentralen Erkenntnisse ist, dass die Adoleszenz eine entscheidende Phase für politische Interventionen darstellt. So liefert mein Aufsatz „The Effects of Youth Clubs on Education and Crime“ den ersten kausalen Nachweis, dass ausserschulische Aktivitäten, die halbstrukturierte Unterstützung bieten, ebenso wirksam sein können wie formale Bildung, wenn es darum geht, schulische Leistungen zu verbessern und Straffälligkeit zu verhindern. Die Studie zeigt, dass Investitionen in solche Programme Ergebnisse erzielen können, die mit Investitionen in frühkindliche Massnahmen vergleichbar sind – insbesondere bei Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen. Diese Arbeit knüpft an Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie an, die die Adoleszenz als Schlüsselphase der Entwicklung hervorheben, und stellt die Auffassung infrage, es sei zu spät für eine wirksame politische Einflussnahme.
Gibt es eine weitere wichtige Arbeit von Ihnen, die Sie erwähnen möchten?
Neben der Identifizierung wirksamer Massnahmen ist ein wesentlicher Teil meiner Forschung darauf gerichtet, zu verstehen, was nicht funktioniert. Politiken verfehlen häufig ihre angestrebten Ziele und das Lernen aus diesen Fällen ist ebenso wertvoll. Eines meiner aktuellen Projekte, „Paying Disadvantaged Teenagers to Stay in School“, zeigt, dass bedingte Geldtransfers, die Schulbesuchsanreize schaffen sollten, in einem entwickelten Land keine langfristigen Vorteile erzielt haben – im Gegensatz zu Ergebnissen aus Entwicklungsländern. Dies wirft weitergehende Fragen darüber auf, wie Politikgestaltung mit lokalen Institutionen und Anreizstrukturen zusammenwirkt – Themen, zu denen Forschende der UZH bedeutende Beiträge leisten.
Sie sind kürzlich an die UZH gekommen – was hat Sie nach Zürich geführt?
Mich hat die Möglichkeit gereizt, mit erstklassigen Kolleginnen und Kollegen in den Bereichen Arbeitsmarktökonomie, öffentliche Ökonomie und Jugendentwicklung am Department of Economics und am Jacobs Center for Productive Youth Development zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus bietet die UZH ein herausragendes Forschungsumfeld mit starker Unterstützung bei der Bearbeitung zentraler Fragen unseres Fachgebiets. Durch ihre Reichweite in Lehre, Politikberatung und internationalen Netzwerken kann unsere Arbeit über die Wissenschaft hinaus Wirkung entfalten – etwas, das mich besonders motiviert.
Wer inspiriert Ihre Arbeit?
Ich lasse mich von den Kontexten inspirieren, in denen ich lebe – von Gesprächen mit Freunden, Familie und der weiteren Gemeinschaft ebenso wie von wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Debatte. Oft beginnt meine Arbeit mit einer einfachen Frage, auf die ich in der Literatur keine klare Antwort finde. Diese Neugier wird dann zum Ausgangspunkt für ein neues Projekt.