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Die Hürde anheben: Wie sich Gesetze zum Mindestalter für Alkoholkonsum auf das Wohlbefinden von Jugendlichen auswirken

Eine neue Studie zeigt, dass die Anhebung des gesetzlichen Mindestalters für den Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre, die schulischen Leistungen und die psychische Gesundheit von Jugendlichen deutlich verbessert.

Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen bleibt in Europa bemerkenswert hoch: Fast die Hälfte der 15- bis 16-Jährigen berichtet von Alkoholkonsum im vergangenen Monat und rund 30 % von ihnen geben Rauschtrinken an. Eine neue Studie von Carmen Villa, Assistant Professor of Economics an unserem Departement, und ihrem Koautor* Manuel Bagues liefert neue Evidenz dafür, dass die Anhebung des gesetzlichen Mindestalters für Alkoholkonsum (Minimum Legal Drinking Age, MLDA) von 16 auf 18 Jahre die schulische Leistung und die mentale Gesundheit von Jugendlichen deutlich verbessert.

Spanien, ein einzigartiges Umfeld für die Untersuchung

In den vergangenen Jahrzehnten haben die meisten europäischen Länder das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre angehoben. Da solche Reformen üblicherweise landesweit eingeführt werden, ist es oft schwierig, ihre kausalen Auswirkungen isoliert zu messen. Spanien führte die Änderungen jedoch in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein – ein Setting, das es Forschenden ermöglicht, Jahrgänge mit unterschiedlichen Alkoholregelungen vor und nach den Reformen regionsübergreifend zu vergleichen.

Die Studie konzentriert sich auf vier Regionen, die die Reformen in den letzten zwei Jahrzehnten umgesetzt haben: Kastilien und León (2007), Galicien (2011), Asturien (2015) und die Balearischen Inseln (2019). Diese gestaffelte Einführung erlaubt einen Vergleich zwischen Regionen, die ihre Politik änderten, und solchen, in denen das MLDA bereits bei 18 lag – mittels des Differenz-von-Differenzen-Ansatzes. Die Reformen umfassten üblicherweise umfassende Massnahmen wie Beschränkungen des Verkaufs an Minderjährige, Zugangsbeschränkungen für bestimmte Lokale sowie strengere Werberegeln.

Die Analyse stützt sich auf Daten von rund 250 000 spanischen Schülerinnen und Schülern, die zu ihrem Trinkverhalten befragt wurden, 180 000 PISA-Teilnehmenden sowie 600 000 Personen aus der Volkszählung von 2021.

Weniger trinken, besser abschneiden

Die Forschung zeigt, dass die Anhebung des MLDA den Alkoholkonsum unter Jugendlichen erheblich reduzierte – insbesondere die schädlichsten Konsumformen. Unter spanischen Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren sank die Wahrscheinlichkeit, im vergangenen Monat betrunken gewesen zu sein, um 17 % (5 Prozentpunkte), während das Rauschtrinken um 14 % zurückging. Wichtig ist, dass die Ergebnisse sowohl in den Selbstangaben als auch in den Angaben über das Trinkverhalten von Freundinnen und Freunden konsistent waren, was auf tatsächliche Verhaltensänderungen und nicht bloss auf Meldeverzerrungen hinweist. Obwohl die Behörden mit Herausforderungen bei der Umsetzung konfrontiert waren – etwa weil Minderjährige Alkohol über ältere Freundinnen und Freunde erhielten –, führten die Rückgänge beim Rauschtrinken und bei der Trunkenheit zu erheblichen schulischen Verbesserungen.

Schülerinnen und Schüler, die der höheren Altersgrenze unterlagen, erzielten bei PISA-Tests um 4 % bessere Ergebnisse (gemessen in Standardabweichungen) – was ungefähr zwei zusätzlichen Monaten Schulunterricht entspricht. Diese Verbesserungen stimmen mit medizinischer Evidenz überein, wonach Alkohol die kognitive Entwicklung im Jugendalter direkt beeinträchtigt – eine Lebensphase, in der das Gehirn noch besonders anfällig für seine Effekte ist.

Verbesserte psychische Gesundheit

Die Studie zeigt zudem deutliche Verbesserungen der psychischen Gesundheit. In Regionen, in denen das gesetzliche Mindestalter angehoben wurde, war die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche Anxiolytika oder Hypnotika (Medikamente gegen Angstzustände und Schlafstörungen) einnahmen, um 10 % geringer. Diese neue Evidenz legt einen direkten, kausalen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und mentalen Gesundheitsfolgen nahe und steht im Einklang mit bestehenden medizinischen Erkenntnissen.

Wichtig ist, dass diese positive Entwicklung ohne messbare Veränderungen anderer Verhaltensweisen zutage trat. Weder verbrachten Schülerinnen und Schüler mehr Zeit fürs Lernen, für soziale Aktivitäten, Internetnutzung oder Sport, noch ersetzten sie Alkohol durch andere Substanzen wie Cannabis oder Zigaretten. Dies legt nahe, dass die beobachteten schulischen Verbesserungen unmittelbar aus den neurokognitiven Effekten von Alkoholverzicht resultierten und nicht aus indirekten Lebensstilveränderungen.

Einordnung für die Schweiz

Die Ergebnisse der Studie sind auch für Länder wie die Schweiz relevant, in der 16-Jährige legal Bier und Wein konsumieren dürfen und die Trinkraten bei Jugendlichen über dem EU-Durchschnitt liegen. Während der Bund das MLDA für Spirituosen bereits 1932 auf 18 Jahre anhob, bleiben schwächere alkoholische Getränke für 16-Jährige weiterhin zugänglich. Die Evidenz aus Spanien deutet darauf hin, dass strengere Altersbeschränkungen zu schulischen Vorteilen führen könnten.

Villa und Bagues argumentieren, dass eine bessere Durchsetzung bestehender Altersgrenzen oder die Anhebung des MLDA auf 18 Jahre für alle Alkoholarten in Ländern, in denen hier noch Unterschiede bestehen, die Bildungsergebnisse signifikant verbessern könnte. Angesichts der im Vergleich zu anderen Bildungsmassnahmen – wie der Verringerung der Klassengrössen oder der Erhöhung der Unterrichtszeit um 1,5 Stunden pro Woche – relativ geringen Umsetzungskosten stellen MLDA-Massnahmen ein kosteneffizientes Instrument zur Förderung der kognitiven Entwicklung Jugendlicher dar.

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